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Insulingedanken

Ich glaube jetzt schon, dass das hier ein sehr ungewöhnlicher Beitrag für mich wird. Ich steh nicht so wirklich darauf, über Gedanken und Gefühle zu bloggen. Sowas mach ich lieber mit mir selbst aus – bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Aber an dieser Stelle brauche ich wirklich mal das geballte Wissen der Community 🙂


Die Geschichte vom hohen Hba1C und der verschobenen Selbstwahrnehmung

Mein Hba1C war mein Leben lang nicht gerade gut. So richtig bewusst geworden ist mir das, als ich neulich über die ganzen alten Unterlagen der Ärzte gestolpert bin. 9,8%, 9,3%, wieder 9,8%. Man könnte sich ja das Ganze noch Schönreden und sagen „Na, wenigstens nicht Zweistellig!“ – aber vermutlich war auch das irgendwann der Fall, ich war nämlich auch jahrelang gar nicht beim Diabetologen. Wozu auch, ich muss doch eh selbst damit leben; wenn ich mehr oder weniger spritzen muss, seh ich das auch selbst. Soweit mein damaliger Gedankengang. War doof, weiß ich selbst, kann man jetzt auch nicht mehr ändern. Es war nicht mal, dass mich der Diabetes nicht interessiert hat – ich habe auch immer gemessen und gespritzt, nie absichtlich etwas ausgelassen. Zurecht gekommen bin ich trotzdem nicht.

Dann kam das Basal-Insulin Tresiba®, dann kam das FreeStyle Libre und irgendwann kam auch die Motivation. Nicht zuletzt auch durch das Bloggen. Und das erste Mal habe ich gesehen, dass ein Basalinsulin gut bei mir funktioniert. Dass ich nicht mehr mit einem Wert von 220 ins Bett muss, weil Levemir mich nachts in eine Hypo drückt, egal, was ich mache. Oder, dass – wie bei Lantus – gefühlt gar nix passiert. Sondern, dass da bei Basalratentests eine schnurgerade Linie auf dem Display erscheint. Ein ziemlich guter Ausgangspunkt, richtig?



Wo liegt dann jetzt das Problem?

Das Glück war nicht von langer Dauer: Tresiba® wurde wieder vom Markt genommen. Zu teuer für die Krankenkassen, angeblich. Ich habe mir davon noch einen sehr, sehr großen Vorrat angeschafft, mit dem ich mich knapp 1,5 Jahre versorgen konnte – aber nur noch ein paar Ampullen und dieser Vorrat ist weg, und zwar endgültig. Die Umversorgung auf ein neues Basalinsulin steht an. Wir wollen es mit Toujeo versuchen.

Und zum ersten Mal in meinem Leben bereitet mir ein Insulinwechsel wirklich Sorge! Was natürlich vor allem daran liegt, dass es mit dem Tresiba so gut lief. Vermutlich mache ich mir viel zu viele Gedanken. Aber mein Hba1C war mit 7,6% so gut wie noch nie und es ist noch ziemlich Luft nach oben. Was, wenn es wieder so chaotisch wird wie mit den Basalinsulinen vorher? Wahlweise dauernd zu hoch oder jede Nacht unterzuckert? Ich will nicht wieder ständig mit 300 aufwachen und den ganzen Tag den Werten hinterher rennen – und was, wenn der Hba1c wieder steigt? Wann ist die nächste „schlechte Phase“ dann die eine schlechte Phase zu viel? Die, die langsam, aber sicher Folgeschäden verursacht?



Eine Pumpe als Lösung?

Es war nie mein allergrößter Wunsch, eine Pumpe zu tragen und ist es auch nach wie vor nicht. Für mich persönlich überwiegen die Nachteile, gruselige Geschichten von abgeknickten Kathetern und Ketoazidosen schießen mir durch den Kopf. Zumindest so aus „Außenseiter-Sicht“, denn eine getragen habe ich noch nie. Vermutlich haben geräde die Ärzte früher im Kinderkrankenhaus, die mich unbedingt zu diesen grauenhaften, riesigen Insulinpumpen-Kästen überreden wollten, zu meiner Abneigung beigetragen.

Nun sind ja ein paar Jahre vergangen, die Pumpenmodelle kleiner, leichter, irgendwie besser. Ich habe auf einmal viel Kontakt zu anderen Diabetikern und gefühlt hat jeder eine Insulinpumpe. Mittlerweile schiele ich auch etwas neidisch zu den Möglichkeiten der temporären Basalraten und verzögerten Bolusabgaben. Natürlich weiß ich, dass eine Pumpe die Diabetestherapie nicht zum Selbstläufer macht, sondern eher im Gegenteil; aber man hat eben ganz andere, neue Möglichkeiten, die die ICT nicht bietet. Trotzdem: Nach wie vor kann ich mir nicht vorstellen, da dauerhaft ein Gerät mit einem Schlauch mit mir verbunden zu haben! Danke, aber nein Danke. Nur – was, wenn hier mit der ICT alles wieder im Basalinsulin-Chaos endet? Ist eine Pumpe nicht die einzige Möglichkeit? Die eigene Gesundheit nicht irgendwie wichtiger als die Tatsache, dass da eben was an mir dran hängt? Gewöhnt man sich nicht an alles?

Aber – ist es richtig, eine Pumpe nur aus Angst vor Folgeschäden zu tragen und nicht, weil man sie wirklich möchte?


Der Umstieg auf Toujeo steht also bald an, ich muss es wohl auf mich zukommen lassen. Meinungen, Kommentare und Entscheidungshilfen zu diesem Thema sind trotzdem mehr als Willkommen – gerne auch per Mail oder Social Media. 🙂


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