Sorry, hab‘ Diabetes!

Sorry, hab‘ Diabetes!

Vielleicht bin ich ein schlechter Mensch. Ab und zu beschließe ich nämlich, die zahlreichen Nachteile des Lebens mit einer chronischen Krankheit in Vorteile zu verwandeln. Angefangen hat das damals im Sportunterricht in der Schule – zu doof, dass ich da schon wieder eine Hypo hatte und mich in diesem Moment definitiv weder über den Stufenbarren schwingen, noch zum Fußball spielen einteilen lassen konnte!

Und auch bei einem Wochenendtrip an die Nordsee musste der Diabetes vor Kurzem herhalten. Die Strandkörbe sahen nämlich sehr gemütlich aus nach einer langen Fahrradtour – zu dumm nur, dass wir kein Bargeld dabei hatten, um die Miete für besagten Strandkorb zu bezahlen. Auch zu dumm, dass ich natürlich genau in diesem Moment eine ganz schlimme Hypo hatte und mich dringend für ein paar Minütchen (oder… Stunden) hinsetzen musste…

Da dachte ich mir: Ich kann doch nicht die Einzige sein und habe unter einem Social-Media-Post gefragt, in welchen Situationen ihr den Diabetes schon mal als Ausrede verwendet habt. Hier kommt das Best-Of eurer „Sorry, hab‘ Diabetes!„-Geschichten!





Disclaimer: Ich weiß, dass dieser Beitrag vermutlich einigen Lesern sauer aufstoßen wird. Nicht jeder findet es okay, den Diabetes als Ausrede zu benutzen, um sich Vorteile zu „erschleichen“ – dieser Beitrag soll also keine Animation dazu sein, eure Mitmenschen am laufenden Band auszutricksen oder uns als arme, hilfsbedürftige, leidende Betroffene hinzustellen! Seht den Beitrag also doch einfach mit einem Augenzwinkern – zumindest ich musste nämlich ein paar Mal laut lachen, als ich die Antworten gelesen habe 🙂



1. Chicken Nuggets beim Konzert.

Dass wir als Menschen mit Diabetes halt auch bei einem Konzert unsere Hypohelfer dabei haben müssen – Tanzen und Rumspringen ist nun mal anstrengend! – sind ja jetzt keine Breaking News. Für uns. Für die Security manchmal aber schon. Glücklicherweise wissen die aber auch oft nicht, was denn jetzt genau für die Bekämpfung einer Hypo notwendig ist… und so hat eine Leserin es geschafft, anstatt nur ein bisschen mehr Saft und Müsliriegel mehrere Flaschen Wasser und eine ganze Packung Chicken Nuggets reinzuschmuggeln. Ich ziehe virtuell meinen Hut und verrate, dass das auch im Kino ganz wunderbar funktioniert. Hab ich gehört.


2. Die Schlange am Flughafen überspringen.

Das war mir zugegebenermaßen ganz neu und ich fliege wirklich nicht wenig! Eine Leserin hat kommentiert, dass sie bei knapper Zeitplanung und einer viel zu langen Schlange am Security Check am Flughafen gerne mal den Schwerbehindertenausweis raus holt, um ein bisschen schneller voran zu kommen.


3. Bei einer „Hypo“ gnadenlos über die Stränge schlagen…

Die Süßigkeitenschublade ist auf einmal leer, obwohl sie gestern doch noch ziemlich gut gefüllt war und für den Partner ist nun halt leider kein Nachtisch mehr übrig? „Sorry, Schatz – ich war voll unterzuckert!“ wurde seeehr, sehr oft als Ausrede genannt… und ob wir wirklich unterzuckert waren, prüft ja schließlich niemand so genau nach. 😉


4. … oder mit niedrigen Werten etwas „nachhelfen“.

Einige von euch haben im Kindesalter den Diabetes genutzt, um ein bisschen öfter an Süßigkeiten zu kommen. War der Wert eigentlich im grünen Bereich, wurde heimlich etwas nachgeholfen, um eine leichte Unterzuckerung herbeizuführen und somit auch den Zugang zum Süßkram. Jaja, ich weiß, Unterzuckerungen sollte man mit schnellwirkenden Kohlenhydraten wie Traubenzucker oder Saft behandeln, aber… schon mal versucht, sich mit einem unterzuckertem Menschen anzulegen und ihm den Schokoriegel wegzunehmen? Empfehle ich niemandem!


5. Einen besseren Zug (oder Flug) erwischen.

Mensch, die Hypo gilt wirklich als Ausrede für alles, oder? So hat eine Leserin kommentiert, dass sie sich in einen anderen Zug als den von ihr gebuchten gesetzt hat, um früher Zuhause zu sein. Als der Fahrkartenkontrolleur den Fehler bemerkte, wurde eine schlimme Hypo und die damit einhergehende Verwirrtheit als Grund genannt. Eine andere Leserin hat die letzten Jump Seats auf einem eigentlich ausgebuchten Flug bekommen – ihr ursprünglicher Flug wurde aufgrund eines Vulkanausbruchs gestrichen. Der vermeintliche Grund hier: Das Insulin liegt zu Hause und man müsse da jetzt wirklich ganz, ganz dringend hin. Inklusive Tränen.



Essen Diabetes Typ 1 Glukose Blutzucker FGM CGM
Huch, na das kann man ja fast schon als Hypo gelten lassen. Nichts wie rein mit der Schokolade!


Ich habe noch so, so viel mehr Situationen im petto, die ihr mir geschrieben habt – aber ich will euch ja nicht mit diesem Beitrag langweilen! Wenn er gut ankommt, gibts davon noch Teil 2 – und damit dieser zustande kommt, verratet mir doch eure Best-Of-Situationen, in denen ihr den Diabetes mal vorschiebt!



 

2 thoughts on “Sorry, hab‘ Diabetes!

  1. Tronar

    Nach der Einleitung hatte ich „Schlimmeres“ erwartet. Die geschilderten Episoden fand ich aber noch im Rahmen. Grundsätzlich finde ich es allerdings nicht gut, wenn wir unsere Krankheit dazu mißbrauchen, um uns Vorteile zu erschleichen. Wenn ein Mißbrauch herauskommt, sinkt automatisch die Hilfsbereitschaft der anderen Menschen und wenn dann mal jemand von uns wirklich ein Problem hat und deswegen nicht rechtzeitig die Hilfe bekommt, die er oder sie in dem Moment braucht, kann es auch weniger lustig ausgehen. Ich habe meine Krankheit jedenfalls noch nie dazu benutzt, mir irgendetwas zu erschleichen. Allerdings habe ich es erlebt, dass die Security in Spanien – nachdem sie auf dem Röntgenschirm meine Spritzen gesehen hatte – mir ungefragt erlaubt hat, die Flasche Wasser zu behalten, die ich noch dabei hatte. Da habe ich natürlich nicht „Nein“ gesagt.

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