Die kleine Fabel von der Pumpen-Problematik (Oder: Pause vom Closed Loop)

Die kleine Fabel von der Pumpen-Problematik (Oder: Pause vom Closed Loop)


Es war einmal ein Mädchen (gut, SO jung war sie nicht mehr, aber so klingts schöner, oder?), die hatte alle – und ich meine alle – Basalinsuline auf dem Markt durch. Irgendwann kam ihre große Liebe in Form des Basalinsulins Tresiba, doch durch einen gemeinen Hinterhalt der deutschen Krankenkassen war diese Liebe nicht von langer Dauer und das Insulin wurde vom Markt genommen. Die Suche nach dem passenden Basalinsulin begann also von neuem, das Mädchen jammerte sehr viel und ging schließlich eine Beziehung mit einer Insulinpumpe ein, um über Tresiba hinwegzukommen.

Die Tage gingen ins Land, mit der Pumpe lief es eigentlich ganz okay und weil das Mädchen ja nicht von vorgestern ist, wurde auch die Sache mit dem DIY Closed Loop mal in Angriff genommen. Aber ein Problem blieb: So gut wie mit Pen knallt der Essensbolus per Pumpe irgendwie nicht.



Gut, die Problematik wäre also grundsätzlich geklärt und jetzt können wir auch wieder normal weiter machen.

Tatsächlich hatte ich dieses kleine Problemchen schon, seit ich auf die Pumpentherapie umgestiegen bin: Die Basalrate läuft ganz wunderbar durch, aber wenn ich fürs Essen einen Bolus abgebe, steigt mein Blutzucker mehr an, als er sollte. Und mehr, als er es tut, wenn ich exakt die gleiche Menge per Pen abgebe. Ich habe dieses Phänomen bei der YpsoPump bereits beobachtet, bei meinem DIY-Closed-Loop mit einer steinalten Medtronic Veo verschärfte es sich aber enorm. Nach dem Essen landete ich gut und gerne bei 300 mg/dl aufwärts – gab ich exakt die gleiche Menge per Pen ab, blieb ich im Zielbereich.


Essen Diabetes Typ 1 Glukose Blutzucker FGM CGM


Eine kleine Liste der Dinge, die ich ausprobiert habe, um das Problem in den Griff zu bekommen:

  • Einen Bolus ins Waschbecken abgeben, um zu schauen, ob die Pumpe überhaupt etwas tut.
  • Verschiedene Katheterlängen probiert.
  • Verschiedene Kathetermaterialien (Stahl/Teflon) probiert.
  • Verschiedene Setzstellen (von Bauch über Hüfte über Bein) ausprobiert. Mir ist klar, dass Insulin je nach Spritzstelle verschieden schnell wirkt.
  • Mit Sprit-Ess-Abständen rum probiert.
  • Verlängerter Bolus.
  • Sofortbolus.
  • Dualer Bolus.
  • Einen Teil per Pen, einen Teil per Pumpe.
  • Essen mit viel Eiweiß & Fett.
  • Essen mit wenig Eiweiß & Fett.
  • BE-Faktoren verändern.
  • Basalrate drölftausendmal testen.
  • Katheter sehr viel öfter als nötig wechseln.
  • … also… alles?

Nun, ihr seht – irgendwas lief hier verkehrt. Und was bringt mir ein Closed Loop mit automatisierter Insulinabgabe, wenn diese nur funktioniert, wenn ich schlafe oder nichts esse? Im Extremfall lief es also 8 Stunden ganz gut im Loop (zumindest, wenn die Verbindung überhaupt stabil lief) und den Rest des Tages lief ich trotzdem meinen Werten hinterher und war am korrigieren, da Loop sich natürlich zu Tode rödelt, wenn man ständig so hoch schießt.

Könnte es daran liegen, dass mein Körper Insulin über den Katheter einfach nicht so gut aufnimmt? Ich stelle mir das wie bei einem Blumentopf vor: Wenn man immer nur ein bisschen Wasser rein träufelt, nimmt die Erde alles auf. Wenn ich aber auf einmal einen ganzen Eimer Wasser drüber kippe, ist das zu viel. Hätte aber ein verzögerter Bolus das Problem nicht lösen sollen? Mag mein Körper einfach keine Pumpen?

Die einzige Idee, die meiner Diabetologin und mir kam, war eigentlich, dass an dieser alten Medtronic-Pumpe etwas nicht stimmen könnte. Klar, sie ist wirklich steinalt, war vorher auch nicht in meinem Besitz und hat einfach keinerlei Garantieansprüche mehr. Keine Ahnung, ob sie tatsächlich läuft, wie sie soll. Allerdings habe ich gerade auch keine andere zum Ausprobieren hier – und auch ein bisschen die Schnauze voll von allem.


Closed Loop Medtronic MiniMed Veo Paradigm Pumpe Insulinpumpe Ypsopump CSII


Pause vom Closed Loop

Deswegen bin ich seit einigen Tagen wieder auf meine YpsoPump umgestiegen, um zu Testen, ob ich hier das Essensbolusphänomen auch beobachten kann. Ich hatte in Erinnerung, dass es mit der YpsoPump bei mir durchaus manchmal genauso war, allerdings nicht in diesem extremen Ausmaß.

Ich mache also eine Pause vom Closed Loop und muss zugeben, dass ich es gar nicht so sehr vermisse. Wie auch, wenn es nur teilweise gut lief? Primär hat es mich fauler gemacht, weil ich mich nicht selbst um meine Basalrate kümmern musste.


YpsoPump Insulinpupe Pumpe CSII mylife Ypso Pump


Weg vom Closed Loop, zurück zur ICT?

Nachdem Tresiba seit Ende letztem Jahres auch wieder auf dem deutschen Markt verfügbar ist, habe ich mir auch davon wieder ein paar Ampullen verschreiben lassen – damit lief es nämlich in der Tat sehr gut bei mir und mein Blutzucker war stabil. Ich werde definitiv auch demnächst also die Pumpe komplett ablegen und auf ICT zurück gehen; denn zu einem dieser „Wie konnte ich nur ohne Pumpe leben?!„-Mädchen bin ich definitiv nicht mutiert. Ich finde sie okay, meine Werte sind ziemlich gut, aber ich bin nicht schockverliebt. Ich kann mir ein Leben ohne Pumpe nach wie vor ziemlich gut vorstellen; nur auf die ständigen Injektionen habe ich keine Lust, klar. Diese habe ich aber ja momentan sowieso, da der Bolus per Pumpe nicht tut, was er soll.



Ihr seht also schon: Es gibt gerade einige Baustellen hier und irgendwie ist dieser Beitrag auch ziemlich wirr. Ist mir aber egal, es musste mal aus. Und meine Meinung, dass es nicht für jedermann und für jede Zeit die eine, perfekte Therapieform gibt, bestätigt sich mal wieder.



 

One thought on “Die kleine Fabel von der Pumpen-Problematik (Oder: Pause vom Closed Loop)

  1. Rieka

    Hey Ramona, ich verfolge deinen Blog schon lange. Mir geht es gerade ähnlich – ich habe mich auch von meiner Pumpe getrennt ( die ich allerdings seit ca.14 Jahren bei mir hatte). Nun spritze ich wieder mit dem Pen. Von dem Tresiba bin ich auch sehr angetan <3 Ebenfalls habe ich alle deine oben genannten Punkte ausprobiert, um die Beziehung mit meiner Pumpe aufrecht zu erhalten. Nichts hat funktioniert! Nur das mal eben zwischendurch spritzen ist irgendwie nervig mit dem Pen – andauernd muss man sich irgendwo das Shirt hochzuppeln… aber man gewöhnt sich wohl an alles! Lieben Gruß und viel Durchhaltevermögen weiterhin 🙂 Rieka

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