Eversense XL Sensor CGM
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180 Tage Eversense XL: Ein Fazit

Vor einigen Wochen war es soweit und der Eversense XL, der 180 Tage in meinem linken Oberarm verbracht hat, wurde entfernt. Hier könnt ihr lesen, wie es dazu kam, dass er da überhaupt drin war. In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie ich die sechs Monate mit dem Eversense XL fand, um meine persönlichen Pros und Contras – und warum kein zweiter Sensor in meinen Oberarm gewandert ist.



Eversense XL Sensor CGM



Disclaimer: Eversense XL inklusive Transmitter & Verbrauchsmaterialien für 180 Tage wurden mir von Roche Diabetes Care zur Verfügung gestellt, um darüber auf diversen Plattformen zu berichten. Meine persönliche Meinung ist hiervon unbeeinflusst.
Auf diesem Wege möchte ich Roche Diabetes Care für die Möglichkeit, Eversense XL zu testen, danken.



Warum ich den Eversense XL testen wollte

Ich gebs ja zu, es gibt eine Sache, die nervt mich an Sensoren: Das Wechseln. Sei es alle 14 Tage wie damals beim FreeStyle Libre oder alle 10 Tage wie aktuell beim Dexcom G6: Es. Nervt. Punkt, Ende, Aus. Man muss gucken, wann er abläuft, ob man zu dem Zeitpunkt überhaupt zuhause ist, das Setzen irgendwo in den Tagesablauf integrieren… und vielleicht hat man dann ja mal wieder ein Exemplar erwischt, das rum spinnt. Zumal es bei mir bei jedem System bisher so war, dass in den ersten 24 Stunden die Werte nicht allzu zuverlässig waren. Woran das liegt? Keine Ahnung. Persönliches Pech vermutlich oder schlechtes Karma, weil ich so ein biestiges Stück bin. Jedenfalls: Ein System, das man eben nicht alle paar Tage wechseln muss, und dadurch echt wenig Gepäck (Müll ist mir hier zugegebenermaßen ziemlich egal *hust*)klingt erstmal gut, oder?


Eversense XL: Einsetzen, Aufwärmen, Go

Das Einsetzen hat mir ja ehrlicherweise vorher etwas Bauchschmerzen bereitet. „Arm aufschnippeln lassen“ steht ja bei den meisten Leuten nicht allzu weit oben auf der Liste der Dinge, die man so in seiner Freizeit tut. Wie ihr aber im ersten Post lesen könnt – und möglicherweise auch vermutet, weil es sonst diesen Beitrag nicht gäbe – habe ich es überlebt und es war gar nicht schlimm. Die 24-stündige Aufwärmphase mit den mehrmaligen Kalibrierungen war auch relativ stressfrei machbar und dann konnte es ja auch schon los gehen.



Was ich am Eversense XL gut fand

Hier also zuerst die Punkte, die ich am Eversense XL als positiv empfunden habe.

  • Man hat wirklich wenig zum Einpacken, wenn man unterwegs ist, denn mehr als das Ladegerät und ein paar Ersatz-Pflaster braucht man nicht.
  • Das Einsetzen war trotz enormer Aufregung wirklich schmerzfrei. Lediglich die Betäubungsspritze hat etwas gebrannt, aber ich glaube, wegen Spritzen heult hier bei uns keiner, oder?
  • Man kann den Transmitter auch mal runter nehmen, wenn man – aus welchen Gründen auch immer – gerade keinen Sensor tragen möchte.
  • Der Transmitter ist wirklich flach und mit der schwarzen Farbe auch relativ unauffällig, gerade in Kombination mit dem durchsichtigen Pflaster.
  • Die Pflaster haben bei mir gut gehalten und haben keine Hautreizungen verursacht – und da bin ich relativ empfindlich.
  • Die Vibrationen direkt am Arm – auch, wenn das Handy außer Reichweite ist – sind wirklich praktisch. Man lernt schnell, welcher Vibrationsalarm was bedeutet. Aber: Nachts davon aufgewacht bin ich irgendwann nicht mehr. Mein Freund dafür schon.
  • Der Transmitter ist wasserdicht; man kann also damit schwimmen gehen oder ihn mal vergessen, bevor man unter die Dusche steigt.

Was mir am Eversense XL nicht so gut gefallen hat

Das perfekte System gibt es halt doch nicht – und somit habe ich auch ein paar Punkte, die ich persönlich am Eversense XL nicht so gut fand.

  • Die Kalibrierungen zweimal täglich haben mich tatsächlich gestört. Das hatte ich nicht erwartet, weil ich es vom Dexcom G5 gewöhnt war und es mich damals nicht gestört hat – ich habe mich aber wohl doch mehr als gedacht an den Dexcom G6 ohne jegliche Kalibrierungen gewöhnt.
  • Ich habe relativ häufig vergessen, den Transmitter aufzuladen. Viele Leute machen das ja einfach unter der Dusche – tja, auch das hab ich schlicht und ergreifend meist vergessen und erst wieder bemerkt, wenn ich wahlweise schon unter der Dusche stand oder der Akku irgendwann später einfach leer war. Aber: Das Ladekabel passt ja in die Tasche und man kann den Transmitter auch unterwegs mal kurz aufladen. Wenn man denn ans Ladekabel denkt.
  • Die Narbe – sowohl nach dem Einsetzen, als auch nach dem Herausnehmen des Sensors – ist halt schon durchaus sichtbar. Bei einer Narbe stört es mich persönlich nicht, aber wenn sich da mehrere Narben ansammeln, sieht man das schon.
  • Leider waren die Werte bei mir – gerade in den Extrembereichen, also hohe und niedrige Werte – oft sehr unpassend zu den konventionell per Blutzuckermessgerät gemessenen Werten, selbst bei Beachtung der Trendpfeile, der zeitlichen Verzögerung zwischen vom CGM gemessenen Gewebezuckers versus Blutzuckers und unter Abzug der Toleranz. Bei einem System, welches 2x täglich kalibriert werden muss, erwarte ich eine höhere Genauigkeit. Dieser Punkt ist allerdings sehr subjektiv, ich kenne auch einige Personen, bei denen er sehr genau lief.
  • Sollte der Sensor vorzeitig ausfallen, muss man sich erstmal um einen Ersatz-Sensor kümmern – und natürlich einen Termin beim Diabetologen, um wechseln zu lassen. Geht ja allein schlecht. Je nachdem, wie lange das alles dauert, steht man eine ganze Zeit lang komplett ohne CGM da.


Eversense XL Sensor CGM
Hier seht ihr die Narbe, die der Eversense XL hinterlassen hat, sowie den Transmitter.


Eversense XL: Fazit

Natürlich sind die von mir angesprochenen Pros und Contras – wie alles auf diesem Blog – sehr subjektiv und spiegeln lediglich meine eigenen Erfahrungen wieder. Ich kenne auch genug Leute, die den Eversense lange und zufrieden tragen oder getragen haben. Ich persönlich trage weiterhin den Dexcom G6 als rtCGM meiner Wahl – zumal bei mir beim Eversense ein weiteres Problem hinzu kommt: Normalerweise wechselt man mit jedem neuen Sensor den Arm. Da der Eversense XL aber nicht in tätowierte Hautstellen eingesetzt werden kann, bleibt mir nur der linke Oberarm – und das wären mir dann in der Tat ein paar Narben zu viel. Wenn euch aber weder die kleinen Narben, noch die Kalibrierungen stören und ihr ein CGM mit wenig „Gepäck“, Müll und Zubehör sucht, kann der Eversense XL durchaus eine gute Wahl sein.

3 Kommentare

  • Christian

    Hallo Ramona,

    vielen Dank für Deine Antwort. Hatte heute Nachmittag mal mit der Hotline von Eversense/AccuCheck telefoniert zu diesem Tätowierungsthema und die Antwort war leider nur „BlaBla“ bzw. total schwammig…… 🤔 laut Hotline sollte es wohl möglich sein, aber ist dann doch wohl nicht so das Gelbe vom Ei…….. Ich solle mich dann via Facebook in einer privaten Eversence-Gruppe anmelden, da würde ich dann gut mit weitern Informationen versorgt.

    Bez. der Narbenbildung: Ich persönlich finde es schon ein bissle heftig, was durch das Implantieren des Sensors für Narben zurückbleiben….. da hilft dann nur noch ein Nachstechen der Hautkunst bei einem sehr gutem Tätowierer ( was aber leider immer wieder den eigenen Geldbeutel belastet wird….. 😉😉)

    Und was, für mich persönlich!!!!!, ein größeres K-O Kriterium ist, dass man 2 mal täglich den Eversence-Sensor kalibrieren muss……. Hallo wir leben im Jahr 2020, sind ein Hightec-Staat und dann muss ich noch ein „innovatives“ rtCGM-System jeden tag neu kalibrieren………… Sorry, daß ist ein NOGO, der Wettbewerb OHNE Hautchip kann das mittlerweile besser (ich liebe mein G6 und bleib auch dabei 😉👍👍) .

    So long für dieses Mal, viele Grüßle aus Ravensburg

    Christian

  • Christian

    Hallo Ramona,

    sehr guter und informativer Blog über das Eversense-System. Vielen Dank dafür. Aber eine Aussage ist mir dann doch nicht plausibel vorgekommen : Zitat: „Da der Eversense XL aber nicht in tätowierte Hautstellen eingesetzt werden kann……“ Warum ist der Chip nicht tätowierter Haut kompatibel?? Ich bin selber auch ein wenig an den Armen „vermalt“ 🙂 und trage den G6 auch am Arm z.T. über meinen Tätowierungen absolut problemlos und doch sehr genau !!!!! zum berühmten Reverenz-Blutstropfen. Der Chip wird doch „tiefer“ eingesetzt, als eine normale Tätowierung gestochen ist ???? Oder täusche ich mich da so???

    VG

    Christian

    • Ramona

      Hallo Christian und Danke für deinen Kommentar! 🙂
      Der Dexcom G6 misst ja, wie du sicher weißt, anhand eines Sensorfadens (… und sollte übrigens auch nicht in tätowierte Haut gesetzt werden, aber gut, wir wissen ja beide, wie das so ist :D). Beim Eversense ist die Funktionsweise aber etwas anders: Er misst anhand von Lichtsignalen (Fluoreszenzemission). Ich weiß es nicht zu 100%, aber ich könnte mir vorstellen, dass tätowierte Haut diese Lichtsignale „stört“.
      Außerdem: Der Spaß war teuer, da schnippelt man doch nicht durch! 😉
      Liebe Grüße
      Ramona

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