DIY-Closed-Loop – Runde Sache?

DIY-Closed-Loop – Runde Sache?

Seit Weihnachten 2018 gehöre ich nun auch zu diesen seltsamen Menschen, die mit Hilfe von CGM-Sensor, Insulinpumpe und Apps der Marke Eigenbau ihre Insulinabgabe automatisiert haben. Hier hatte ich schon über meine Vorbereitungen geschrieben. Der Loop war allerdings zu dieser Zeit noch nicht geschlossen, da ich mir hierfür ein paar Tage frei nehmen wollte. Nachdem die Basalrate nochmal ausgiebig getestet war (das finde ich immer recht unproblematisch) und die BE-Faktoren zumindest so Pi mal Daumen gestimmt haben (das wiederum finde ich wahnsinnig schwierig), wurde also die neue, alte Pumpe angelegt, der RileyLink erstmals geladen und die App aktiviert.


Achtung, Plot Twist: Wie die Closed-Loop-Geschichte weiter ging und warum ich doch wieder zur Therapie mit dem Pen zurück gekehrt bin, lest ihr hier!


Nur noch strichgerade Glukoseverläufe dank Closed Loop?

Und, wie läufts? Strichgerade Linien bei 90mg/dl im Glukoseverlauf? Kein einziges Mal mehr hohe Werte und keine einzige Hypo? Naja, nicht ganz. Trotzdem finde ich, dass sich das Loopen durchaus lohnt. Damit das Gesülze nicht ganz so lang wird, hier eine Zusammenfassung meiner persönlichen (!) Erfahrungen in Stichpunkten.

Vorab sei gesagt: Ich habe einen relativ niedrigen Insulinverbrauch in der Basalrate – diese ist jedoch ausgiebig und nicht nur ein Mal getestet und stimmt so. Dafür habe ich relativ hohe BE-Faktoren – ich höre schon die ersten Elite-Diabetiker schreien, dass dann die Basalrate nicht stimmt, aber doch, das tut sie. 😉 Desweiteren reagiere ich auf nüchternen Magen extrem sensitiv auf Insulin; in Kombination mit Nahrung jedoch nicht mehr so sehr. Das hat dazu geführt, dass mein Diabetesmanagement immer eher „erfahrungsbasiert“ ausgefallen ist und nicht so sehr auf Basis starrer Faktoren – damit kann der Loop aber halt nicht arbeiten. Ich glaube, hier besteht noch Optimierungspotential und daran wird auch gearbeitet… Dann läuft der Loop vermutlich nochmal besser. 🙂


Closed Loop Medtronic MiniMed Veo Paradigm Pumpe Insulinpumpe Ypsopump CSII



Was der Loop kann:

  • Hohe Werte runter bringen – allerdings dauert das. Ich kann mir relativ sicher sein, mit einem Wert um die 100mg/dl aufzustehen, selbst wenn ich mit 250mg/dl ins Bett gehe. Tagsüber bin ich allerdings oft zu ungeduldig, die Insulinwirkdauer abzuwarten.
  • Für einen einigermaßen stabilen Verlauf sorgen – zumindest, wenn keine Nahrung im Spiel ist. 😉 Beispielsweise muss ich nicht mehr daran denken, in den Nächten nach dem Sport die Basalrate herunterzusetzen. Das passiert bei Bedarf von allein.
  • Hypos einigermaßen verhindern. Klar, wenn ich mich beim BE berechnen stark verschätzt habe, gleicht das auch eine Absenkung der Basalrate nicht unbedingt aus. Wenn der Blutzucker aber beispielsweise nur langsam sinkt, fängt der Loop das ganz gut ab bei mir.

Was der Loop nicht kann:

  • Fress-Orgien ausgleichen. Das leidige Kohlenhydrate berechnen entfällt definitiv nicht, sondern muss immer noch so genau wie möglich erfolgen. Kleinere Patzer schafft mein Loop schon; aber wenn ich 2 BE eingebe und 5 in mich rein stopfe, hilft auch der Loop nicht mehr.
  • Den Spritz-Ess-Abstand eliminieren. Klar, immer abhängig von der Person und dem genutzten Insulin – aber wenn ich keinen SEA einhalte, dann schießt es mich halt trotzdem hoch und der Loop rödelt ewig, um mich wieder runter zu bringen.
  • Dir das Denken abnehmen. An Dinge wie Bolusreduktion vor Bewegung muss durchaus noch gedacht werden; auch wenn es bei Loop einen „Sport-Modus“ gibt, der den Blutzucker höher halten soll. Wenn ich noch 8 Einheiten Insulin aktiv habe, hilft aber auch der Sportmodus nicht – was drin ist, ist drin.

Was der Loop ist:

  • Eine gute Stütze im Alltag, die – mit den richtigen Einstellungen – durchaus zusätzliche Sicherheit gibt.
  • Ein Tool, das einem ermöglicht, auch mal nicht die ganze Zeit den Diabetes im Hinterkopf zu haben.

Was der Loop nicht ist:

  • Das Allheilmittel für alles und jeden. Ich würde definitiv nicht jedem empfehlen, zu Loopen! Es setzt voraus, dass man sich wirklich eingehend und intensiv mit der eigenen Erkrankung auseinandersetzt und genau weiß, wie der Körper auf was reagiert. Oft genug rege ich mich über die ganzen Loop-Nazis in gewissen Facebookgruppen auf, welche auch den unwissendsten Neudiagnostizierten zum Loopen überreden wollen, der mit den ganzen Fachbegriffen null anfangen kann.
  • Dein Garant für tolle Werte ohne Mühe oder einen 5,Xer-Hba1C ohne Unterzuckerungen.  Ja, es kann so gut laufen, es ist möglich – aber mit viel Arbeit und nicht eine Woche, nachdem man dem Loop geschlossen hat.
  • Eine riesige Wissenschaft. Ja, es ist viel Arbeit anfangs und setzt eine gewisse Technikaffinität voraus – aber es ist machbar. Ich bin auch nicht der absolute Überflieger in allen Belangen, aber es ist nicht so hart, wie es aussieht. 🙂



Fazit zum Closed Loop

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, dem Loop eine Chance zu geben. Gerade in meinem Alltag im Außendienst, wo ich sehr viel Auto fahre, hilft es mir, mich während der Fahrt sicherer zu fühlen als vorher. Auch die Nächte, die meistens echt gut und ohne Hypos verlaufen (wenn doch, war ich zu 95% selbst schuld), sind die Arbeit echt wert.

Natürlich gibt es Dinge, die mich nerven: Ich muss noch ein weiteres Gerät, den RileyLink als Verbindung zwischen Pumpe und Handy, mit mir herum schleppen. Es gibt häufige Verbindungsabbrüche und natürlich muss auch dieses Gerät immer aufgeladen sein. Außerdem ist der Batterieverbrauch enorm hoch: Da die Pumpe dauerhaft in Verbindung mit dem RileyLink bzw. Handy steht, hält eine Batterie maximal 4-5 Tage und man sollte auf jeden Fall immer Ersatz mit sich tragen.

Hat sich mein Hba1C verbessert? In so kurzer Zeit vermutlich eher nicht. Ich habe weniger Unterzuckerungen, allein das macht viel aus. Manchmal hatte ich trotzdem noch mit hohen Werten zu kämpfen, besonders abends, weil da meine BE-Faktoren sehr verschieden ausfallen – je nachdem, wie aktiv mein Tag war, ob ich vom Sport komme und natürlich welche Art von Essen es gibt.


Ich werde vorerst bei meinem DIY-Closed-Loop bleiben und es noch weiter optimieren, um möglichst viel Zeit im Zielbereich zu verbringen – zumal ich nicht glaube, dass es in absehbarer Zeit eine offizielle und „massentaugliche“ Closed-Loop-Lösung in Deutschland geben wird. #wearenotwaiting 🙂



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3 thoughts on “DIY-Closed-Loop – Runde Sache?

  1. Tronar

    Ich meine, sie hätte geschrieben, dass sie wieder auf das normale NovoRapid zurückgegangen ist.

    Ich finde es schade, dass closed loop immer noch derartig viele manuelle Eingriffe erfordert. Faktisch schleppt man dann also die ganze Zeit noch ein drittes Gerät mit sich rum, nur um automatisch gegen leichte UZs geschützt zu sein und 1-2 Einheiten naschen kann, ohne sich drum kümmern zu müssen. Sprich, es hilft kleine Abweichungen nach oben oder unten zu korrigieren, aber gegen die harten Entgleisungen wirkt es auch nicht oder viel zu langsam. Für mich damit noch keine wirklich Verbesserung. Wenn ich weiterhin über große Mahlzeiten oder starke UZs nachdenken muss, kann ich mir die Arbeit für die kleinen Abweichungen auch mitmachen. Dafür schleppe ich keine 3 Geräte mit mir rum, die ausfallen können. Samt Ersatzbatterien und -materialien.

  2. Rainer Mentz

    Hallo Ramona,
    Vielen Dank für den Bericht. Welches Insulin verwendest Du aktuell im Closed Loop? Du hattest mal geschrieben, dass Du dich von FIASP verabschiedet hast.
    Liebe Grüße, Rainer

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