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20. Diaversary – und gefeiert wird hier nix

Zugegebenermaßen, ich hätte das Datum ja – wie eigentlich jedes Jahr – fast vergessen. Aber dann erreichte mich am 20. März ein Brief vom Diaversary-Projekt: Herzlichen Glückwunsch, Ramona, heute ist dein 20. Diabetes-Jahrestag! „Uff, aha, interesting“ war aber das Maximale, was ich an Gefühlen in diesem Moment raus holen konnte und so lag der Brief ziemlich lange auf meinem Küchentisch und der Diaversary eigentlich auch innerhalb von 5 Minuten wieder vergessen. Eine ganz pflichtbewusste Diabetesbloggerin habt ihr hier vor euch, ihr merkt das schon.

Ein bisschen Pflichtbewusstsein kam dann doch zurück, als ich diesen Beitrag von Antje über ihren 10. Diabetes-Jahrestag gelesen habe. Und Antje ist auch nicht nach Feiern. Wie bei ihr liegt es bei mir aber keinesfalls daran, dass ich den Diabetes-Jahrestag als etwas komplett Negatives sehe. Ich würde aber auch nicht sagen „Ganz im Gegenteil“. Sondern?



Der Diabetes ist halt einfach da

Tjoa, und das fasst es eigentlich ganz gut zusammen.

Klar nervt mich der Diabetes. Klar wär ich lieber gesund.

Und nee, ich bin dem Diabetes nicht dankbar für irgendwelche Chancen oder zu was für einem Menschen er mich gemacht hat. Ich bin mir sogar relativ sicher, dass mein Leben auch ohne chronische Krankheiten ganz wunderbar verlaufen wäre. Nur halt anders.

Aber ich gebe dem Diabetes ehrlich gesagt auch nicht mehr Raum im Alltag, als er unbedingt haben muss. Klingt sehr paradox jetzt – schließlich blogge ich über Diabetes, arbeite hauptberuflich in der Diabetesbranche, fast alle meine Freunde und sogar mein Partner haben Diabetes. Ganz schön viel Diabetes für eine, die sich nicht für Diabetes interessiert, right?

Auch nicht ganz wahr. Aber wahnsinnig oft lese ich von Leuten, die den Diaversary als Chance sehen, etwas zu feiern, was ihr Leben nachhaltig verändert hat und wodurch sie aber stärker geworden sind. Kann ich auch absolut nachvollziehen, keine Frage! Nur: Bei mir war der Diabetes halt schon immer da. Ich wurde mit 8 Jahren diagnostiziert und kann mich nicht an ein Leben ohne Diabetes erinnern. Großartige Akzeptanzprobleme hatte ich bis auf die typischen, pubertätsbedingten Ausreißer auch keine.


Damals: Erstes Schulungsbuch.

Diaversary: Kein Grund zum Feiern?

Also, wie ihr schon ahnen könnt: An meinem Diaversary selbst mache ich exakt gar nix. Einfach, weil ich es meist vergesse. Was ich aber eine sehr schöne Idee fand, war die Liste von (ihr ahnt es schon) Antje, die einen positiven Rückblick auf die letzten Jahre gegeben hat. Also, here we go – in 20 Jahren…

  • hatte ich noch keine Ketoazidose.
  • hatte ich nur einmal eine schwere Hypo – und das glücklicherweise kurz nach der Diagnose im Krankenhaus
  • Ich habe, trotz schlimmer Werte während der Pubertät, keine Folgeschäden.
  • Ich hatte schon die Möglichkeit, allerhand Diabetes-Equipment zu testen.
  • Ich lebe in einem Land, in dem ich mir keine Sorgen um die medizinische Versorgung machen muss.
  • Ich habe durch den Diabetes einen Beruf gefunden, den ich ganz wunderbar finde.
  • Und viele Freunde, die ich ebenfalls ganz wunderbar finde.
  • Und einen Partner (auch ganz wunderbar).

Ihr sehr schon: Doch nicht alles so kacke.

Feiert ihr euren Diaversary?



 

Ein Kommentar

  • Tronar

    Volle Zustimmung. Geht mir genauso was den Diabetes angeht. Er ist halt da. Kein Grund zum Heulen, aber auch kein Grund zum Feiern.

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