Diabetes goes vegan

Diabetes goes vegan

Vor knapp 4 Wochen ist etwas passiert. Etwas, was ich selbst so ungefähr nie für möglich gehalten hätte: Ich bin zum Veganer mutiert.

Aber halt, nochmal von Anfang an. Wie kam es dazu und fange ich nun an, euch reißerische Videos von Peta über die schlimmen Zustände in Schlachthäusern zu zeigen? Weigere ich mich nun, dass mein Tofutier auf dem Grill neben dem Fleisch liegt? Erzähle ich nun allen, wie viel besser ich doch bin als ein omnivor lebender Mensch?





Nein, sicher nicht.

Nun, wie auf Insta und Facebook schon geschrieben: Die ethischen Argumente für Veganismus fand ich schon immer einleuchtend und auch absolut sinnvoll und nachvollziehbar – man hat mich damit aber nicht „gekriegt„. Klar wusste ich, wie das Fleisch produziert wird ode was in der Milchproduktion so abgeht, aber es war mir halt egal.

Womit man mich aber wahnsinnig gut kriegt, sind Auswirkungen direkt auf mich und meine eigene Gesundheit. Ich oller Egoist. Und tatsächlich waren mir die enormen Auswirkungen vom Konsum von Fleisch und Milchprodukten auf die eigene Gesundheit nicht bewusst, bis ich What The Health auf Netflix gesehen habe. Klar ist auch dieser Film eher einseitig und stellt Veganismus als die einzige, glorreiche Lösung all unserer Probleme dar und nein, ich nehme nicht alles hin, ohne kritisch zu hinterfragen. Die entsprechenden Studien findet ihr hier:

Analysis and valuation of the health and climate change cobenefits of dietary change
Studie WHO Fleischkonsum
Ernährungsphysiologische Bewertung von Milchprodukten
... nochmal in Kurzform.

Nach genug Eigenrecherche in diese Richtung und auch viel Input durch andere, bereits vegan lebende Typ 1er habe ich aber beschlossen, dass ich eine größtenteils vegane Ernährung einfach mal ausprobieren möchte. Zuhause habe ich eh nie Fleisch gegessen, wenn dann auswärts im Restaurant. Wurst mochte ich noch nie und ich bin auch kein absoluter Käsefreak – also eigentlich ganz gute Voraussetzungen, oder?


Vegane Ernährung & Diabetes?!

Eigentlich war ich immer der Meinung, dass mein Körper ausgesprochen mies auf Kohlenhydrate anspricht. Ich habe selten mehr als 3 BE auf einmal pro Mahlzeit konsumiert und selbst da hat es mich – trotz ausreichendem Spritz-Ess-Abstand – erst mal gut nach oben katapultiert und es dauerte relativ lange, bis ich wieder im Zielbereich war.

Ich habe mich nie explizit Low Carb ernährt, aber schon darauf geachtet, dass meine Kohlenhydratzufuhr nicht zu hoch war. Skyr, Quark, Joghurt – so etwas stand größtenteils auf meinem Speiseplan. Auch, weil mir kochen nie großartig Spaß bereitet hat. Einfach und schnell musste es gehen.

Meine Zufuhr an Basalinsulin war immer schon ziemlich niedrig (und durch zahlreiche Basalratentests auch definitiv als richtig verifiziert), aber meine BE-Faktoren dafür ziemlich hoch.

Und das änderte sich mit der veganen Ernährung schlagartig – Boom, das Insulin wirkt.

Innerhalb weniger Tage konnte ich meine BE-Faktoren immer weiter herunter schrauben und mittlerweile sogar halbieren – ja, HALBIEREN, manchmal sogar mehr als das! – und das, obwohl ich mehr Kohlenhydrate als je zuvor esse. Diese kommen dabei aus Obst, Gemüse (ja, auch das hat in großen Mengen Kohlenhydrate!), Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.



Bedeutet vegane Ernährung Verzicht und Nährstoffmangel?

Für mich definitiv nicht! Aber machen wir uns nichts vor: Das mag daran liegen, dass ich vorher schon kein großer Fleischesser war. Die Milchprodukte ersetze ich durch Soja- und Mandelmilch, Joghurts auf Basis von Soja, Kokos und Mandeln oder Hafer. Es gibt da mittlerweile eine wirklich riesige Auswahl an Produkten – im Supermarkt und auch schon in Discountern. Dadurch ist vegan leben auch nicht teurer, als mein „normaler“ Wocheneinkauf war. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir an dem, was wir unserem Körper Tag für Tag zuführen, wirklich als letztes sparen sollten.

Wie vorher auch, esse ich enorm viel Gemüse. Mein Protein beziehe ich natürlich ebenfalls aus pflanzlichen Quellen wie Hülsenfrüchten – hier besonders Linsen, Bohnen oder Kichererbsen – und ab und zu auch mal Tofu. Hierzu gibt es tolle Infografiken wie zum Beispiel von simplehappykitchen. An Supplements nehme ich nur Vitamin B12 & D3 in Kombination mit K2 und O3.

Außerdem tracke ich meine Nahrung schon seit mehreren Jahren mit Hilfe der App YAZIO, die gratis für iOS und Android erhältlich ist. Hier lassen sich auch die Makronährstoffziele individuell einstellen und so habe ich immer im Blick, was ich so in mich hinein geschaufelt habe.

Durch die vegane Ernährung habe ich sogar fast so etwas wie Spaß am Kochen gefunden. Nun gut, „Spaß“ ist vielleicht übertrieben, aber ich stehe nicht mehr ganz so voller Hass über die verschwendete Zeit vorm Herd 😉 , da ich viele neue Sachen ausprobiere und immer wieder erstaunt bin, wie gut es mir und meinem Blutzucker tut.


Vegan – vom Experiment zum Lebensstil

Tatsächlich wollte ich die Sache mit der veganen Ernährung halt einfach mal ausprobieren und hatte mir nicht allzu viel davon erhofft. Allerdings sind die Auswirkungen auf meine Gesundheit, allen voran natürlich meinen Diabetes, so enorm, dass ich beschlossen habe, dabei zu bleiben. Denn sind wir mal ehrlich: Jeder Tag mit guten Werten zählt, um eventuell auftretende Spätfolgen zu vermeiden. Besonders für mich, die sich jahrelang so gar nicht um ihren Diabetes gekümmert hat.

Durch die Blutzuckerwerte, die sich größtenteils im Zielbereich bewegen, fühle ich mich insgesamt viel fitter, wacher und ausgeglichener. Natürlich gibt es immer noch Ausreißer nach oben (und unten!) und Schätz- und Berechnungsfehler, aber das gehört zum Diabetikeralltag wohl leider einfach dazu.

Ich spreche hier nicht von der veganen Wunderheilung oder dass diese Form der Ernährung die Lösung für alle ist – auch möchte ich niemandem meine Meinung aufzwingen. Du musst heraus finden, was für dich funktioniert! Das kann vegan sein – aber genau so gut eine Low Carb oder ketogene Ernährung, glutenfrei, der Verzicht auf Zucker oder auch eine stinknormale, aber ausgewogene Ernährung sein.


Wenn ihr euch weiterführend zum Thema informieren wollt: Insulea lebt schon seit vielen Jahren vegan und auch Lisabetes hat sich eine Zeit lang dem „Experiment vegan“ gewidmet. Auf dem Instagram-Account Mastering Diabetes findet ihr auch viele Infos zum Thema – genau so, wenn ihr auf der Plattform nach dem Hashtag #plantpoweredT1D sucht.


Ernährt ihr euch ebenfalls vegan oder verfolgt einen anderen Ernährungsstil?

Erzählt es mir gern in den Kommentaren! 🙂



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